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Wichtige Weichenstellung für Bildungscampus Rainbrunnen
Rems-Murr-Kreis will rund 36,7 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes in inklusive Bildung investieren – vom Kreistag einstimmig beschlossen
Der Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss des Rems-Murr-Kreises hat in seiner Sitzung am 22. Juni 2026 eine wichtige Weichenstellung für eines der bedeutendsten Bildungsprojekte des Landkreises vorgenommen: Das Gremium empfiehlt dem Kreistag, den Bau des „Bildungscampus Rainbrunnen“ in Schorndorf zu beschließen. Mit dem Vorhaben sollen die sonderpädagogischen Einrichtungen des Landkreises unter einem Dach gebündelt und zugleich dringend benötigte Raumkapazitäten für die stark wachsende Fröbelschule geschaffen werden.
Bei dem Votum des Ausschusses handelt es sich um eine vorberatende Empfehlung. Die abschließende und verbindliche Entscheidung hat der Kreistag in seiner Sitzung am 13. Juli 2026 einstimmig getroffen.
Alle Einrichtungen unter einem Dach
Kernstück des Projekts ist der Neubau eines modernen, barrierefreien „inklusiven Kinderhauses“, in dem künftig insgesamt vier (Schul-)Kindergärten sowie die erste und zweite Klasse der Außenstelle Schorndorf der Christian-Morgenstern-Schule zusammengeführt werden sollen. Damit erhalten unter anderem der Schulkindergarten am Grafenberg, der Christian-Morgenstern-Schulkindergarten und der Schulkindergarten Pusteblume eine gemeinsame, zeitgemäße Heimat. Die baulichen Anforderungen orientieren sich konsequent an den Bedürfnissen der teils schwerst- und mehrfach behinderten Kinder und Jugendlichen – von der Ankunftssituation über die Zugänglichkeit bis hin zur Gestaltung der Räume und des Außengeländes.
Parallel dazu ist eine Erweiterung der Fröbelschule Schorndorf zwingend erforderlich. Bereits seit Jahren nehmen die Zahlen der Schülerinnen und Schüler deutlich zu. Die Raumkapazitäten sind bereits seit einigen Jahren überschritten und der Rems-Murr-Kreis hat in Abstimmung mit der Schule mehrere Interims- und Ausweichräume eingerichtet. Für das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit den Förderschwerpunkten geistige sowie körperlich-motorische Entwicklung werden in einem Erweiterungsbau zehn weitere Klassenzimmer sowie eine vergrößerte Mensa entstehen.
Nach einer Vorausrechnung des Statistischen Landesamtes ist in Baden-Württemberg bis zum Schuljahr 2033/2034 mit einem weiteren Anstieg um rund 37 Prozent mit Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zu rechnen. Allein von 2022 bis zum aktuellen Schuljahr 2025/2026 sind die Schülerzahlen von 108 auf 137 an der Fröbelschule Schorndorf gestiegen, was rechnerisch mehr als 5 weitere Klassen und somit Klassenräume bedeutet.
Durch die Umzüge der Schulkindergärten und der Außenstelle der Christian-Morgenstern-Schule in den Neubau würden zugleich Räume im Bestand frei, die ebenfalls der Fröbelschule zugutekommen würden.
Langfristige Perspektive gibt Planungssicherheit
Landrat Richard Sigel hob in der Sitzung hervor: „Das Projekt Bildungscampus Rainbrunnen soll der Schulgemeinschaft Sicherheit geben und eine Perspektive.“ Denn in den kommenden Schuljahren wird die Raumnot aufgrund steigender Schülerzahlen zunehmen. Auf dem Weg zum Neubau werden weitere Interimslösungen nötig sein. Es sei nicht einfach für die besonderen Bedarfe der Schülerinnen und Schüler passende Räume zu finden. Durch eine gute Partnerschaft und einen offenen Austausch zwischen Schule und Schulträger können so tragfähige Lösungen gefunden werden.
Modellhafte Intensivkooperation mit der Stadt Schorndorf
Ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist die geplante Ausweitung der bewährten Intensivkooperation der frühkindlichen Einrichtungen: Gemeinsam mit der Stadt Schorndorf sollen zwei weitere integrative Regel-Kita-Gruppen eingerichtet werden, sodass künftig insgesamt drei Kita-Gruppen in das inklusive Konzept eingebunden wären. So könnten Kinder mit und ohne Behinderung von einem gemeinsamen Lernort profitieren – und der Landkreis trägt zugleich dem steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen in Schorndorf Rechnung. Landkreis und Stadt arbeiten bei diesem Vorhaben eng und partnerschaftlich zusammen.
Finanzierung ohne Belastung des Kreishaushalts
Die aktuelle Kostenberechnung beläuft sich auf rund 36,7 Millionen Euro. Für die Realisierung soll der Investitionsanteil des Rems-Murr-Kreises über Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes (Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz, LuKIFG) gedeckt werden. Damit könnte das Projekt umgesetzt werden, ohne den regulären Kreishaushalt zusätzlich zu belasten – für den Landkreis entstünden unter dem Strich keine tatsächlichen Eigenkosten.
Ergänzend hat die Kreisverwaltung beim Regierungspräsidium Stuttgart einen Antrag auf Schulbauförderung gestellt. Die Verwaltung geht auf Grundlage ihrer Erfahrungen mit vergleichbaren Maßnahmen von einer hohen Förderquote (rund 70 Prozent) aus. Der Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss hat an seine Zustimmung zum Projekt die Bedingung geknüpft, dass eine Förderung in dieser Höhe kommt. Einen konkreten Zeitplan für die Bauphase wird die Verwaltung nach Vorliegen des Abschlusses der noch laufenden vorbereitenden Planungsphase vorliegen.
Stimme zum Projekt
„Mit dem Bildungscampus Rainbrunnen wollen wir gezielt in die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen investieren – und zwar in alle, unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen. Bildung ist die wichtigste Investition, die wir als Landkreis tätigen können“, betont Landrat Dr. Richard Sigel. „Ich freue mich sehr über die positive Empfehlung des Verwaltungsausschusses. Die endgültige Entscheidung liegt nun beim Kreistag, dem ich nicht vorgreifen möchte. Dass wir dieses zukunftsweisende und inklusive Projekt dank der Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes realisieren könnten, ohne den Kreishaushalt zusätzlich zu belasten, wäre ein echter Gewinn für die gesamte Region, vor allem für die Kinder und Jugendlichen, für die wir Entwicklungsräume schaffen. Mein besonderer Dank gilt der Stadt Schorndorf für die vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit.“
Wie es weitergeht
Nach der heutigen Empfehlung des Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschusses liegt die finale Entscheidung beim Kreistag, der am 13. Juli 2026 über die Umsetzung des Projekts berät und abschließend beschließt. Bis dahin werden die Kostenberechnung sowie die Informationen zu den Förderzusagen laufend aktualisiert.
(keck/22.06.2026, aktualisiert am 13.07.2026)
