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Erste Hilfe für FFH-Mähwiesen
Ein neues Projekt des Landschaftserhaltungsverbandes Rems-Murr-Kreis e.V. (LEV) für den Erhalt der Artenvielfalt auf FFH-Mähwiesen
Artenreiche Wiesen gehören zu den vielfältigsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft – und sie sind zunehmend bedroht: Die sogenannten FFH-Mähwiesen (Fauna-Flora-Habitat-Mähwiesen) bieten nicht nur zahlreichen Pflanzen und Insekten einen wertvollen Lebensraum, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Grundwasserschutz. Doch der natürliche Artenreichtum dieser Wiesen geht vielerorts zurück – unter anderem, weil ein Austausch von Samen zwischen den Flächen kaum noch stattfindet. Hier soll das neue Saatgutprojekt des Landschaftserhaltungsverbands Rems-Murr-Kreis e.V. gegensteuern.
Ziel des Projekts ist es, dem schleichenden Artenverlust entgegenzuwirken und die ökologische Qualität der FFH-Mähwiesen im Rems-Murr-Kreis langfristig zu sichern. Ansatzpunkt ist die Reparatur von Schadstellen auf FFH-Mähwiesen. Diese entstehen zum Beispiel durch Wildschweine, Mäuse oder Fahrspuren. Besonders auf isolierten Flächen, weit entfernt von artenreichen Wiesen, fehlt es an einem natürlichen Sameneintrag von wertgebenden Wiesenpflanzen. Das gezielte Ausbringen von gebietsheimischem Saatgut kann hier entscheidend zur Wiederherstellung der ursprünglichen Artenvielfalt beitragen.
Dank einer großzügigen Förderung in Höhe von 3.000 Euro durch die Stiftung der Kreissparkasse Waiblingen konnte der LEV in diesem Jahr erstmals gebietsheimisches Saatgut zur Verfügung stellen. Damit können insgesamt rund 1,6 Hektar Fläche nachgesät werden. Aufgrund der großen Nachfrage wird der Vorrat voraussichtlich noch im ersten Projektjahr vollständig ausgeschöpft sein. Es ist geplant, auch im nächsten Jahr Saatgut für Bewirtschafter von FFH-Mähwiesen bereit zu stellen.
Den ersten Antrag für das Wiesensaatgut hat der landwirtschaftliche Betrieb „Schafzucht Kurmann“ aus Aspach-Altersberg gestellt. „Unser Anliegen ist es, die traditionelle Kulturlandschaft mit ihrer Artenvielfalt auch für kommende Generationen zu erhalten“, erklären die Betriebsinhaber Denise und Rainer Kurmann. Zusammen mit ihrer Familie bewirtschaften die engagierten Nebenerwerbslandwirte etwa 20 Hektar Land und halten rund 130 Mutterschafe. Das Saatgut verwenden die Kurmanns, um eine artenreiche Blühwiese wiederherzustellen. Ergänzend zur Gewinnung von Winterfutter, wird die extensive Grünlandfläche auch beweidet. Ein toller Nebeneffekt der Beweidung: Im Fell der Suffolk-Schafe haken sich die Samen von Kräutern und Gräsern fest. Werden diese auf einer anderen Wiese wieder abgestreift, tragen die Schafe als Samentaxi zur Verbreitung und zum Austausch wertvoller Arten bei und damit zum Erhalt unserer Kulturlandschaft.
Warum ist das Projekt notwendig?
Die Produktion von zertifiziertem Regiosaatgut mit über 40 verschiedenen Arten ist aufwendig und die naturschutzgerechte Nachsaat von FFH-Mähwiesen entsprechend kostenintensiv. Deshalb fällt die Wahl häufig auf deutlich günstigeres, handelsübliches Grünlandsaatgut. Wird dieses jedoch auf FFH-Mähwiesen ausgebracht, kann es die wertvolle Artenvielfalt dieser besonders schützenswerten Lebensräume gefährden. Genau hier setzt das LEV-Projekt an: Es schafft ein niederschwelliges Angebot, das gleichzeitig fachlich abgesichert ist. Es unterstützt so gezielt jene, die sich für den Erhalt dieser ökologisch bedeutsamen Flächen einsetzen.
Praktische Umsetzung
Eine flächige Ansaat ist meist nicht nötig, oft reicht es einzelne Wiesenbereiche anzusäen. Auch die Reparatur kleiner Schadstellen, etwa durch Wildschweine oder Fahrzeugspuren mit artenreichem Saatgut wirkt einem Rückgang der Pflanzenvielfalt entgegen. War die Einsaat erfolgreich, können sich die Arten anschließend sukzessive über die Fläche ausbreiten. Eine Einsaat im Spätsommer oder Herbst verspricht erfahrungsgemäß den besten Erfolg.
Regionale Vielfalt
Die verwendete Saatgutmischung stammt aus dem Ursprungsgebiet 11 „Südwestdeutsches Bergland“ und umfasst 42 typische Wiesenarten – darunter Wiesen-Glockenblume, Wiesen-Flockenblume, Acker-Witwenblume, Echte Schlüsselblume, Wiesen-Salbei, Großer und Kleiner Wiesenknopf und Wiesen-Bocksbart sowie viele weitere.
Gemeinsam für den Erhalt der Kulturlandschaft
Mit dem Saatgutprojekt will der Landschaftserhaltungsverband gezielt jene unterstützen, die Verantwortung für den Erhalt unserer Kulturlandschaft übernehmen. Denn: Ohne das Engagement der Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter ist der Schutz artenreicher Mähwiesen nicht möglich.
Beratung für FFH-Mähwiesen
Für weitere Fragen rund um die naturschutzgerechte Bewirtschaftung und Pflege von FFH-Mähwiesen steht Lucy Hilsenbek zur Verfügung. Sie ist seit 2024 als FFH-Mähwiesenberaterin beim Landschaftserhaltungsverband tätig. Ihre Aufgabe ist es, Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter individuell, kostenlos und unverbindlich zu unterstützen.
Kontakt
Lucy Hilsenbek
FFH-Mähwiesenberaterin
Landschaftserhaltungsverband Rems-Murr-Kreis e.V.
Tel.: 07151 501-2170
Mobil: 0152 09357675
E-Mail: l.hilsenbek(@)rems-murr-kreis.de
(raßmus/06.08.25)
