Rems-Murr-Kreis (Druckversion)
Autor: Juliane Jastram
Artikel vom 02.06.2021

Landrat fordert Nachsteuern bei der Impfstoffverteilung im Land

 Symbolbild Impfdosis; Foto: Gottfried Stoppel
Im KIZ gibt es fast nur noch Zweitimpfungen; Foto: Gottfried Stoppel

Landesweite Impfquote: Landkreis auf Platz 33 von 44 / Impfstoffmangel weiterhin bestimmend im KIZ

 

Von den 44 Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg liegt der Rems-Murr-Kreis bei den Erstimpfungen auf Rang 33 von 44. Das geht aus der neuen Impfstatistik hervor, die das Sozialministerium am 1. Juni, herausgegeben hat. Das Landratsamt begrüßt die Veröffentlichung der Statistik durch das Sozialministerium und dass sie von nun an wöchentlich erscheinen soll. Diese Transparenz wurde vom Landrat immer gefordert und ist Voraussetzung, um die Impfquote im Rems-Murr-Kreis im Verhältnis zu den übrigen 43 Stadt- und Landkreisen beurteilen zu können.

Diese Quote ist leider gleichbleibend schlecht, trotz aller Anstrengungen und Zusatz-Aktionen des Landkreises. Trotz Impftruck und über 10.000 zusätzlichen Impfungen ist der Rems-Murr-Kreis bei den Erstimpfungen von Rang 32 (Stand: 2. Mai) sogar noch auf Rang 33 abgerutscht. Das ist schwer vermittelbar. Der Verweis des Landes auf zu wenig Impfstoff vom Bund greift angesichts der deutlich höheren Impfquoten andernorts in Baden-Württemberg zu kurz. In Zahlen ausgedrückt: im Rems-Murr-Kreis liegt die Erstimpfquote bei 38,9 %, die Spanne in der Impfstatistik reicht von 31,5 % bis 51,2 %. Grund für die geringe Durchimpfung bei uns ist nicht die sozioökonomische Bevölkerungsstruktur im Landkreis, sondern schlichtweg der wenige Impfstoff, der im Waiblinger Kreisimpfzentrum angeliefert wird. Denn auch unsere Kreisärzteschaft macht eine hervorragende Arbeit in Sachen Impfen.

Landrat Dr. Richard Sigel sagt dazu: „Es ist sehr ernüchternd, erneut aus der Impfstatistik des Landes zu erfahren, dass unsere Bemühungen beim Sozialministerium um eine gerechtere Verteilung des Impfstoffes in Baden-Württemberg offensichtlich bisher keine Wirkung entfalten. Die Zusage des Landes, dass Landkreise mit schwacher Impfquote mehr Impfstoff erhalten sollen, ist angesichts dieser Zahlen zumindest im Rems-Murr-Kreis noch nicht erfüllt. Die Verteilung des Impfstoffes muss spätestens jetzt stärker an der Bevölkerungsgröße der Landkreise und der Impfquote im Land orientieren. Nach der Benachteiligung bei der Verteilung der Impfzentren auf die Landkreise muss jetzt wenigstens bei der Verteilung des Impfstoffs nachgesteuert werden.

Wir haben hierzu Vorschläge gemacht. Vor dem Hintergrund der neuen Impfquoten ist es schwer nachzuvollziehen, dass unsere Vorschläge für niedrigschwellige und zusätzliche Impfaktionen im Landkreis beim Sozialministerium keine Berücksichtigung fanden. Gemeinsam mit der IHK hätten wir in einem Modellprojekt kleine und mittelständische Unternehmen angesteuert, oder die Impfungen in den Städten und Gemeinden für weniger mobile Menschen fortgesetzt. Auf diesem Weg hätten wir zusätzlichen Impfstoff in den Landkreis bringen und die Impfquote verbessern können. Die Strukturen für solche Impf-Aktionen sind längst etabliert. Der Impftruck hat deutlich bewiesen, dass wir gemeinsam mit den Städten und Gemeinden umsetzungsstark sind. Dass wir mit diesem gut funktionierenden System mangels Impfstoff nicht weiterarbeiten können, ist geradezu frustrierend.“ 

Gerd Holzwarth, Leiter des KIZ, berichtet von dort: „In der Impfstatistik sehen wir in Zahlen bestätigt, was wir im KIZ täglich spüren: was wir an Impfstoff bekommen, reicht für die Bevölkerung im Landkreis bei weitem nicht aus. Wir können wegen der geringen Impfstofflieferungen weiterhin nur wenige Termine anbieten, die den großen Bedarf kaum decken können. Erstimpfungen können wir praktisch nicht mehr anbieten und haben bei jeder Lieferung Sorge, ob wir nicht gar noch Zweitimpftermine absagen müssen. Wir tun, was wir können und organisieren beispielsweise Sonder-Impfaktionen, sobald die MIT vom RBK uns etwas zusätzlichen Impfstoff anbieten können. Zudem haben wir von Anfang an keine einzige Impfdosis im KIZ ungenutzt gelassen und vor Kurzem eine neue Warteliste für übrige Impfdosen angelegt. Was wir haben, verimpfen wir sofort– aber es reicht beim besten Willen nicht.“

 

(jas/02.06.2021)

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