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Autor: Leonie Ries
Artikel vom 13.07.2020

Rems-Murr-Kreis setzt auf Zukunftstechnologie Wasserstoff

Kreistag trifft Grundsatzentscheidung zur Förderung (grüner) Wasserstofftechnologie / Landkreis und Stadt Waiblingen sind bereits HyPerformer in Sachen Wasserstoff 

Zu einem passenderen Zeitpunkt hätte die Entscheidung des Rems-Murr-Kreistags nicht kommen können. Die Bundesregierung hat am 10. Juni 2020 die nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Die EU hat ihre Wasserstoffstrategie am 8. Juli 2020 vorgestellt und ein Milliardenpaket zur Förderung geschnürt. Beide unterstreichen damit: Wasserstoff ist eine Zukunftstechnologie. Der Kreistag des Rems-Murr-Kreises beschließt am 13. Juli 2020 ebenfalls: Auch der Kreis setzt auf Wasserstoff als Zukunftstechnologie. 

Am Einstieg in die Wasserstofftechnologie arbeitet der Rems-Murr-Kreis schon lange. Gemeinsam mit der Stadt Waiblingen hat sich der Landkreis am „Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NIP) des Bundes mit einem innovativen Konzept für grünen Wasserstoff, der im ÖPNV genutzt werden soll, beworben. Ende 2019 hat das vom Landkreis und der Stadt Waiblingen vorgeschlagene Projekt eine Förderzusage des Bundes in Höhe von fünf Millionen Euro im Rahmen des HyPerformer-Programms erhalten. Der Rems-Murr-Kreis ist im Verbund mit der Metropolregion Rhein-Neckar damit eine von deutschlandweit nur drei Regionen, die derzeit in der höchsten Förderkategorie HyPerformer gefördert werden. 

Konkret sollen mit rund drei Millionen Euro dieser Fördermittel eine regenerative Wasserstofferzeugungsanlage sowie eine Wasserstofftankstelle in Waiblingen errichtet werden. Das Besondere am Projekt ist, dass der Wasserstoff aus regenerativer Energie gewonnen werden soll. Die restlichen rund zwei Millionen Euro sollen in Wasserstoffbusse investiert werden, die an der Tankstelle betankt werden können. Auf welchen Linien die Wasserstoffbusse eingesetzt werden, wird derzeit noch untersucht. 

„Mit seiner Entscheidung hat der Kreistag die Weichen gestellt: Der Rems-Murr-Kreis setzt auf (grünen) Wasserstoff als Zukunftstechnologie – und nutzt damit die Chance, mit Vorsprung zu starten, noch bevor die weiteren Programme des Bundes und der Europäischen Union zur Förderung von Wasserstoffprojekten ausgelobt werden“, freut sich Landrat Dr. Richard Sigel über das positive und klare Votum des Kreistags. „Mir war eine politische Diskussion, ein klares Bekenntnis und eine Grundsatzentscheidung des Kreistags bei diesem Zukunftsthema wichtig. Wir können nicht nur vom Klimaschutz reden und Ziele setzen – sondern müssen auch bereit sein, vor Ort etwas tun und in Zukunftstechnologie zu investieren. Die Bereitschaft des Kreistags, als Starthilfe jährlich einen Millionenbetrag in die neue Technologie zu investieren, ist ein klares Signal und ein politischer Auftrag.“

Ein aus Sicht von Landrat Sigel überzeugendes Argument für das klare Votum des Kreistags sei sicher gewesen, dass neben der Förderzusage im Rahmen des HyPerformer Projekts, zwei weitere Bausteine erarbeitet wurden, die das Thema Wasserstofftechnologie kreisweit zu einem Zukunftsmodell machen könnten. Neben der Wasserstofftankstelle in Waiblingen sind das: Untersuchungen zu einer wasserstoffbetriebenen Wieslauftalbahn sowie eine Lernwerkstatt „Zukunftstechnologie Wasserstoff“ an der Gewerblichen Schule Backnang. Letztere wird derzeit mit dem Zentrum für Sonnenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg ausgearbeitet. „Uns war wichtig, dass wir alle drei Projekte eng miteinander verzahnen, das bietet auch die Möglichkeit, sich um weitere Fördermittel zu bewerben und das Thema voranzubringen“, so der Landrat. 

Bei der Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Rudersberg steht schon lange die Beschaffung von neuem Wagenmaterial auf der Agenda. Gemeinsam mit der Hochschule Esslingen untersucht der Zweckverband Wieslauftalbahn derzeit, ob eine Umstellung auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge möglich und sinnvoll ist. Besonders interessant wäre ein wasserstoffbetriebener „Wiesel“ dann, wenn parallel das Wasserstoffprojekt in Waiblingen umgesetzt würde. Mit dem dort gewonnenen grünen Wasserstoff könnten sowohl Busse als auch Bahnen im Landkreis angetrieben werden. Beide Projekte sollen sich also verzahnen und Synergien entstehen. 

Das dritte Projekt der Wasserstoffstrategie des Rems-Murr-Kreises ist eine Lernwerkstatt „Zukunftstechnologie Wasserstoff“ an der Gewerblichen Schule Backnang. Da die Wasserstofftechnologie nicht nur Fahrzeuge antreibt, sondern auch ganzheitliche Modelle der Energieversorgung bietet, ist es enorm wichtig, Schüler möglichst frühzeitig mit der Technologie vertraut zu machen. Die Wasserstofftechnologie soll in den verschiedenen Schularten in Unterrichtseinheiten zu alternativen Mobilitätskonzepten und erneuerbaren Energien eingebunden werden und durch Einrichtung einer Wasserstoffwerkstatt veranschaulicht werden. „So können wir in Backnang künftig kluge Köpfe aus der Region Stuttgart für die Zukunftstechnologie Wasserstoff begeistern und heute schon die Fachkräfte für die Technologie von morgen ausbilden“, sagt Dr. Isolde Fleuchaus, Leiterin der Gewerblichen Schule Backnang. 

„Wichtig ist mir bei diesem Projekt, dass wir es nicht als Prestigeprojekt für den Rems-Murr-Kreis sehen, sondern als Standortvorteil für die gesamte Region Stuttgart. Es besteht daher auch die Offenheit, weitere Partnerschaften über Kreisgrenzen hinweg in der Region Stuttgart einzugehen,“ so der Landrat.

Foto: Philipp Plum (ries/13.7.20)