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Autor: Martina Keck
Artikel vom 11.05.2020

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall – wählen Sie sofort 112!

 Bei Verdacht auf Schlaganfall bitte umgehend 112 anrufen. Foto aus der Leitstelle: DRK Rems-Murr
Bei Verdacht auf Schlaganfall bitte umgehend 112 anrufen. Foto aus der Leitstelle: DRK Rems-Murr
Appell der Rems-Murr-Kliniken undRettungsdienste zum Tag gegen den Schlaganfall
Winnenden/Schorndorf. Winnenden/Schorndorf. Aktuelle Meldungen der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft zeigen einen starken Rückgang der Behandlung von leichten bis mittleren Schlaganfällen in deutschen Kliniken. Dies wird mit der Angst von Patienten in Verbindung gebracht, sich bei einer Behandlung mit COVID-19 anzustecken. Die Rems-Murr-Kliniken und der Rettungsdienst appellieren deshalb anlässlich des Tags gegen den Schlaganfall der Deutschen Schlaganfallhilfe am 10. Mai dringend an die Bürgerinnen und Bürger, bei Anzeichen eines Schlaganfalls sofort den Notruf zu tätigen. Zu den typischen Schlaganfallsymptomen zählen Sprach- oder Sehstörungen, Lähmungserscheinungen auf einer Körperseite oder Taubheitsgefühl, Schwindel mit Gangunsicherheit oder sehr starker Kopfschmerz. Diese Symptome treten meist plötzlich auf. Verschwinden diese Symptome nach einigen Minuten wieder vollständig, kann es sich als um eine transitorische ischämische Attacke (TIA) handeln - ein möglicher Vorbote eines Schlaganfalls. In beiden Fällen liegt ein lebensbedrohlicher Notfall vor, der sofort behandelt werden muss. „Bitte rufen Sie bei den kleinsten Schlaganfallzeichen die 112. In einer solchen Situation zählt jede Minute: Je schneller die Rettungskette in Gang gesetzt werden kann, umso höher sind die Chancen, bleibende Folgen abzuwenden“, betont Marco Flittner, Leiter Rettungsdienst im Rems-Murr-Kreis. Der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, Dr. Marc Nickel ergänzt: „Um unseren Versorgungsauftrag weiterhin zu gewährleisten, sorgen wir in unseren Kliniken mit höchsten Hygiene- und Schutzmaßnahmen dafür, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus minimiert wird und unsere Patienten wie gewohnt jede Hilfe erhalten, die sie benötigen“.Mit dem FAST-Test Schlaganfallsymptome erkennen
Ein Schlaganfall wird vereinfacht gesagt von einem Blutgerinnsel in einem Blutgefäß oder von einem Gefäßriss ausgelöst, wodurch das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Doch wie kann ich erkennen, ob Schlaganfallsymptome vorliegen? Hierzu eignet sich laut dem Chefarzt der Neurologie und Regionalbeauftragten der Deutschen Schlaganfallhilfe, Prof. Ludwig Niehaus, der sogenannte FAST-Test (Face, Arms, Speech, Time). Dabei sollte man bei ungewöhnlichen Symptomen auf folgende Punkte achten:
  • F steht für Face (Gesicht) – kann die Person lächeln? Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.

  • A steht für Arms (Arme) – kann die Person beide Arme so nach vorne strecken, als ob man zwei Suppenteller hält? Läuft einer aus, liegt vermutlich eine Lähmung vor, die es unmöglich macht, beide Arme zu heben.

  • S steht für Speech (Sprache) – kann die Person einen einfachen Satz nachsprechen? Schafft sie das nicht oder die Stimme klingt verwaschen, kann das ein Zeichen für eine Sprachstörung sein.

  • T steht für Time – trifft einer der drei oben genannten Punkte zu, gilt: Sofort 112 rufen!
„Die Devise ‚Kommt von selbst, geht von selbst‘ kann in diesem Fall schlimme Folgen haben“, erklärt Prof. Niehaus. „Jede Minute, die zusätzlich verstreicht, kann nicht mehr aufgeholt werden und schränkt unsere Behandlungsmöglichkeiten erheblich ein. Das kann zu irreversiblen Schäden am Gehirn mit dauerhaften Beeinträchtigungen führen, im schlimmsten Fall sogar zum Tod.“ Chefarzt Dr. Bernhard Fröhlich, Leiter der Schlaganfalleinheit in Schorndorf, ergänzt: „Deshalb ist bei einem Verdacht auf Schlaganfall das Motto „Time is brain“ so wichtig: Denn hier gilt, keine Zeit zu verlieren, um die Zellschäden im Gehirn so gering wie möglich zu halten. Darüber entscheidet tatsächlich jede Minute.“Rems-Murr-Kliniken und Rettungsdienste arbeiten Hand in Hand
Die Integrierte Leitstelle Rems-Murr-Kreis arbeitet mit einer strukturierten Abfrage, um die Dringlichkeit der Fälle einzuschätzen. Sollte auch nur ein geringfügiger Verdacht auf einen Schlaganfall bestehen, wird das Schlaganfallprotokoll mit FAST-Test eingeleitet. Kann ein Betroffener die Fragen nicht klar mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten, wird nichtsdestotrotz von einem Notfall ausgegangen. Angesichts der möglichen Folgen eines Schlaganfalls gilt: lieber ein Notruf zu viel als ein Patient, der zu spät versorgt wird. Mit standardisierten Abläufen und der Abfrage relevanter Informationen des Patienten werden ein schneller Transportbeginn und die gezielte Anmeldung des Betroffenen in den Kliniken sichergestellt. Beide Standorte der Rems-Murr-Kliniken sind spezialisiert auf die Behandlung von Schlaganfallpatienten: Das Rems-Murr-Klinikum Winnenden ist zertifiziert als regionales Schlaganfallzentrum mit Stroke Unit, die Rems-Murr-Klinik Schorndorf verfügt über eine zertifizierte lokale Schlaganfalleinheit. „Die Notfallversorgung für Schlaganfallpatienten ist im Rems-Murr-Kreis bestmöglich aufgestellt. Um keine Zeit zu verlieren, arbeiten im Landkreis alle Beteiligten Hand in Hand. Dazu haben die Kliniken und die Rettungsdienste ein gemeinsames Schlaganfallkonzept entwickelt, das regelmäßig optimiert wird“, unterstreicht Landrat Dr. Richard Sigel.Strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen gelten weiterhin
Die Rems-Murr-Kliniken halten auch weiterhin alle wegen COVID-19 getroffenen Schutzmaßnahmen für Patienten und Personal aufrecht. Vor dem Betreten der Klinik werden alle Personen über einen Fragebogen auf Krankheitsanzeichen befragt und ihre Temperatur wird gemessen. Bei Verdacht einer Infektion wird die betroffene Person in eigens dafür geschaffene Räumlichkeiten gebracht. Die Patientenströme können so effektiv getrennt werden. Das Therapieteam für Coronapatienten arbeitet ausschließlich im Coronabereich der Kliniken, um eine Ansteckung innerhalb des Personals zu vermeiden. Auch der Notfallbereich ist von der Coronastation räumlich strikt getrennt.

Text: Rems-Murr-Kliniken
(keck/11.5.20)