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Autor: Sandra Weiss
Artikel vom 07.03.2017

SAFE: Sicherer Start ins gemeinsame Leben für Eltern und Baby

SAFE: Sicherer Start ins gemeinsame Leben für Eltern und Baby

Kostenlose Seminarreihe des Kreisjugendamtes startet am 9. April / Anmeldung bis 18. März

Aus zwei mach drei: Mit der Geburt eines Kindes kann sich so ziemlich alles ändern im Leben eines Paares. Von der Entscheidung zum Kind über Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit und die erste gemeinsame Zeit mit dem Säugling – eine schöne, intensive aber auch anstrengende Zeit, in der das Leben einmal vollständig umgekrempelt wird und die Gefühle Achterbahn fahren. Deshalb ist es für werdende Eltern besonders wichtig, sich auf diesen Prozess vorzubereiten. In die Vorfreude mischen sich oft Fragen: Wird das Kind genug essen? Was, wenn sich das schreiende Kind nicht beruhigen lässt? Wie weiß ich, was am besten ist für meinen Nachwuchs? Wie schaffe ich es, eine gute Mutter beziehungsweise ein guter Vater zu sein? Möchte ich wie meine Eltern sein oder gerade nicht? Damit die berechtigten Fragen nicht zu Sorgen werden, bietet die Beratungsstelle für Familien und Jugendliche des Kreisjugendamts in Waiblingen ab April wieder eine systematische Vorbereitung auf die neue Lebenswelt an.

Das SAFE-Kursangebot der Beratungsstelle für Familien und Jugendliche steht werdenden Eltern bereits seit 2009 kostenlos zur Verfügung. SAFE – das bedeutet konkret: Sichere Ausbildung für Eltern. Bärbel Langer und Carola Wendt der Beratungsstelle in Waiblingen bereiten Eltern bereits während der Schwangerschaft gezielt auf die erste Zeit mit Ihrem Säugling vor. Ziel der zehnteiligen Seminarreihe ist, dass Eltern Sicherheit im Umgang mit dem Baby bekommen. Dabei sind die Kurse speziell auf die Entwicklung und Förderung einer frühen Bindung zwischen Eltern und Baby ausgerichtet. Im Mittelpunkt steht dabei das feinfühlige Reagieren auf die Signale des Kindes. Eine vertrauensvolle Gruppenatmosphäre, professionelle Begleitung durch die Coaches und eine Krisenhotline bei Notfällen helfen den Eltern, sich wohlzufühlen und sich mit anderen Eltern in einer Kleingruppe auszutauschen. Dabei basiert das SAFE-Elterntraining auf den Erkenntnissen der Bindungsforschung und ist wissenschaftlich begleitet und erprobt.

Am Sonntag, 9. April, startet der erste von zehn Kursterminen des SAFE-Kurses in Waiblingen. Zum Startpunkt des SAFE-Kurses sollten Sie zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche sein. In zehn Terminen, welche in der Regel sonntags von 10 bis 17 Uhr stattfinden, werden die Eltern von der Schwangerschaft bis hin zu den ersten Wochen mit dem Säugling begleitet. Der Kurs ist außer einem kleinen Unkostenbeitrag für Verpflegung kostenfrei. Für den zehnteiligen Kurs ist eine Anmeldung per mail bis 18. März unter c.wendt@rems-murr-kreis.de oder b.langer@rems-murr-kreis.de, telefonisch unter 07151 – 501 1500 oder schriftlich an die Beratungsstelle für Familien und Jugendliche, Bahnhofstraße 64, 71332 Waiblingen nötig. Bei Rückfragen können sich Interessierte jederzeit an die Beratungsstelle wenden.

Um Ihnen beispielhaft die Thematik und die Inhalte der Seminarreihe zu veranschaulichen, haben die Kolleginnen der Beratungsstelle folgenden Dialog verfasst:

 

Ausgangssituation:

Ein langer, schöner und anstrengender Tag geht zu Ende. Mutter und Baby hatten viel Besuch von der Familie, es wurde gelacht und die kleine, recht pflegeleichte Amelie, 3 Monate alt, bewundert. Nun ist es Abend geworden, Mutter und Kind sind müde und Papa kommt nach Hause. Es folgt wie üblich das Abendritual, das sich zwischen Amelie und ihren Eltern folgendermaßen eingespielt hat: Wenn Papa nach Hause kommt, spielen Papa und Amelie ein bisschen, während Mama die wichtige Dinge im Haushalt erledigt. Zum Spiel gehört auch, dass Papa Amelie wäscht, wickelt und für die Nacht fertig macht. Mama gibt Amelie dann noch das Fläschchen und bringt sie mit einem Lied und Kuscheln zu Bett. Amelie schläft bei den Eltern im Zimmer, kann aber schon alleine einschlafen, wenn sie die Eltern hört und die Türe offen bleibt.

Heute jedoch ist Amelie schon im Spiel mit Papa unruhig, dreht immer wieder den Kopf weg, obwohl Papa sich sehr bemüht, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Beim Wickeln und Umziehen weint sie immer wieder und ihr fallen schon die Äuglein zu. Als Mama sie dann ins Bettchen liegt fängt Amelie an zu weinen. Sie kann sich kaum noch beruhigen. Was nun – weinen lassen? Rausnehmen? Was ist nur los?

 

Mamas Gedanken: Was ist denn nur mit Amelie los? Es war doch so ein schöner Tag, Amelie war fröhlich und ausgeglichen, hat alle angestrahlt, gut gegessen und sogar einen Mittagschlaf gemacht, trotz Besuch. Gut, sie war ein bisschen müde – war ihr alles zu viel? Aber das habe ich während des Tages gar nicht gemerkt… können wir in Zukunft keinen Besuch mehr bekommen? Oder wird sie krank? Bekommt sie schon ihren ersten Zahn? Hat sie Bauchschmerzen? Oma Helga sagt, man soll Kinder auch mal schreien lassen, die beruhigen sich schon. Was soll ich jetzt nur tun? Sie tut mir so leid, aber ich bin auch selbst so müde und muss noch so viel im Haushalt tun…. Ich fühle mich total hilflos.

 

Papas Gedanken: Ich hatte einen wahnsinnig anstrengenden Tag bei der Arbeit. Eigentlich hätte ich die Abrechnungen noch fertig machen müssen, aber es war sowieso schon so spät. Ich habe mich so auf Amelie und meine Frau gefreut, obwohl die Doppelbelastung Arbeit und Kind groß ist. Nach der Arbeit würde ich mich am liebsten erst einmal ausruhen, aber ich weiß auch, dass meine Frau Entlastung braucht und ich freue mich auch, Amelie noch zu sehen bevor sie schläft. Heute ist Amelie aber sehr unruhig, und obwohl ich mich so bemüht habe, habe ich sie gar nicht mehr richtig erreicht. Nun weint sie – sollen wir sie wieder rausnehmen? Aber sie ist doch hundemüde, das habe ich genau gemerkt!

 

Und Amelie? Heute war viel los, ganz viel Besuch. Das war schön, weil alle ganz lieb waren, aber so viele Leute, die ich alle nicht gekannt habe. Zum Glück war Mama immer in der Nähe. Ich bin so müde. Papa wollte auch noch mit mir spielen, aber ich bin so müde.

 

Und das sagt Ihr SAFE-Coach:

Es war ein langer und schöner Tag für Amelie. Sie hat sich bei der Verwandtschaft von ihrer pflegeleichten Seite gezeigt, gut gegessen, gelacht, geschlafen. Was man Amelie tagsüber nicht angemerkt hat: Trotz allem ist dieser Tag mit Besuch für Amelie, die sonst meist nur mit Mama zusammen den Tag verbringt, nicht nur schön, sondern aufgrund der vielen neuen Eindrücke auch sehr anstrengend. Mutter und Vater merken dies auch am Abend sehr feinfühlig, u.a. daran dass Amelie schlechter als sonst trinkt, quengelig ist und beim Spiel mit dem Vater den Kopf abwendet.

Dass Amelie nun weint und nicht zur Ruhe kommt, obwohl sie offensichtlich so müde ist, ist typisch für Kinder, nicht nur in diesem Alter. Bevor Amelie schlafen kann, muss sie den Stress, den sie erlebt hat, abbauen, und dies tut sie mit Weinen. Wichtig für die Eltern in diesem Fall ist, ihr Kind bei der Selbstregulation, sprich dem Stressabbau zu helfen, das heißt: Amelie liebevoll beim Weinen zu begleiten, mit Körperkontakt, ruhigen Worten, einem Lied – und viel Verständnis und Geduld. Amelie kann sich in diesem Alter noch nicht alleine regulieren, und würde, wenn sie irgendwann ohne die Eltern einschlafen würde, dies aus Erschöpfung tun.

Lernen soll Amelie aber: Wenn es mir schlecht geht, ich Stress oder Schmerzen habe, dann sind die Eltern für mich da und helfen mir. Das bedeuten nicht, dass die Eltern mich immer herumtragen, nachts mit mir spielen – es bedeutet, dass sie mich begleiten und nicht alleine lassen. Und bald, wenn Amelie älter wird, kann sie sich auch schon besser selbst regulieren – aber nur wenn sie im Sinne des Urvertrauens gelernt hat, dass die Welt ein Ort ist, an dem ihr geholfen wird.

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