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Autor: Sandra Weiss
Artikel vom 08.02.2017

Kaiser: Ehrenamtliche im Umgang mit Flüchtlingen stärken

Kaiser: Ehrenamtliche im Umgang mit Flüchtlingen stärken

Professor Peter Kaiser sprach vor Sozialarbeitern, Ehrenamtlichen und Interessierten in der Mensa des Berufsschulzentrums Waiblingen.

Experten-Vortrag „Psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen“ im Berufsschulzentrum Waiblingen

Seit September 2014 sind rund 6300 Asylbewerber in den Rems-Murr-Kreis gekommen. Neben der Unterbringung und der Integration der neu Angekommenen erweist sich auch die psychosoziale Betreuung als Herausforderung. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass Flüchtlinge auffällig werden – gegenüber Ehrenamtlichen, Behörden oder untereinander. Die psychosoziale Betreuung wird dabei durch mehrere Faktoren erschwert: Der Mangel an psychiatrischen Angeboten – auch für die hiesige Bevölkerung – geht einher mit Schwierigkeiten, die kulturell und sprachlich bedingt sind.

Professor Peter Kaiser vom Landessozialministerium ist als Psychiater und Kulturwissenschaftler ein ausgewiesener Experte für die psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen. Auf Einladung des Gesundheitsamts hielt Kaiser am Mittwoch, 1. Februar, einen Vortrag über sein Spezialgebiet im Berufsschulzentrum Waiblingen – vor zahlreichen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Flüchtlingsunterbringung.

Der Referent nahm seine Zuhörer dabei auf launige Weise mit zu einem Perspektivwechsel: „Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit 100 Leuten in einer Turnhalle und wissen weder, wie es Ihren Lieben geht, noch was morgen mit Ihnen selbst sein wird.“ Diese Haltlosigkeit werde verstärkt, wenn Menschen in ihrem Alltag weder eine Struktur noch eine Aufgabe haben. Auch das Wertesystem im Ankunftsland schaffe Verwirrung – alles ist fremd, neu und ungewohnt. Diesen Perspektivwechsel müsse man bei den Forderungen nach Integration berücksichtigen, so Kaiser und stellte die provokante Frage: „Liebe Damen, würden Sie sich in Saudi-Arabien integrieren wollen?“ Das kollektive Raunen im Publikum war eindeutig: Nein. Der Referent führte an diesem Beispiel aus, wie wichtig es ist, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und wie schwierig es ist, über eine fremde Kultur zu urteilen.

Im Austausch mit dem Publikum ging es um alltägliche Situationen zwischen den unterschiedlichen Kulturen, um Vorurteile, aber auch um Auseinandersetzungen. Mehrere Teilnehmer berichteten von schwierigen Situationen im Umgang mit psychisch auffälligen Asylbewerbern. Viele Konflikte, die unter Beteiligung von Asylbewerbern entstehen, gehen jedoch auf die besonderen Bedingungen dieser Menschen zurück, so der Experte. Psychische Erkrankungen seien eher selten die Ursache.

Professor Kaiser stellte daraufhin ein Konzept der Weltgesundheitsorganisation vor: In einem Pyramidenmodell sollen auf unterster Ebene Informationen über auffällige Flüchtlinge gesammelt und an einen Laienhelfer weitergegeben werden – etwa durch Sprecher aus den Reihen der Flüchtlinge. Laienhelfer sind Ehrenamtliche oder Hauptamtliche, die eine entsprechende Schulung zur psychosozialen Betreuung von Flüchtlingen absolviert haben. Sie sollen dabei helfen, das jeweilige Problem einzuschätzen und dann die entsprechenden Stellen – etwa psychiatrische Einrichtungen – informieren. „Dabei geht es etwa darum, wie ich mit Krisen umgehe oder es wird erlernt, den sozialen Rückzug eines Menschen zu deuten“, so Kaiser. Nach einer Einführung sollen die Laienhelfer sich regelmäßig treffen, um sich austauschen zu können.

Im Nachgang zu dem Vortrag wird derzeit im Landratsamt geprüft, ob eine solche Schulung für den Rems-Murr-Kreis sinnvoll und machbar ist. Interessierte können sich an die Ehrenamtskoordinatoren des Amts für Flüchtlinge wenden.

Kontakt:

Doreen Jensen                                                              Harald Luttmann

Telefon: 07151/501-1669                                              Telefon: 07151/501-1670

E-Mail: d.jensen@rems-murr-kreis.de                             E-Mail: h.luttmann(@)rems-murr-kreis.de

 

(saw/8.2.17)

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