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Autor: Sandra Weiss
Artikel vom 10.03.2017

Schutzprojekt für das Rebhuhn im Schmidener Feld geht an den Start

Schutzprojekt für das Rebhuhn im Schmidener Feld geht an den Start

Foto: Michael Eick

Turbo für den Rebhuhnschutz – Fördergelder der Stiftung Naturschutzfonds helfen Landratsamt und Stadt Fellbach bei der Ausweitung von Schutzmaßnahmen

 

Mittlerweile ist es nicht mehr zu übersehen: Auf den Feldern der Region gibt es kaum noch Vögel. Gerade das Rebhuhn – einst Charaktervogel unserer Äcker und Wiesen und bei Jägern und Naturschützern gleichermaßen beliebt – findet hier kein Auskommen mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig, sie gehen aber überwiegend auf die Änderungen in der Landbewirtschaftung zurück. Die Stadt Fellbach und der Rems-Murr-Kreis sind sich einig: Sie wollen den freien Fall der Rebhuhnbestände aufhalten und intensivieren nun die Schutzmaßnahmen zum Erhalt dieses Charaktervogels auf dem Schmidener Feld. Unterstützt werden sie dabei seit diesem Jahr von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg im Rahmen eines Modellprojekts des Landes.

Damit werden die umfangreichen Maßnahmen ausgeweitet, welche die Stadt Fellbach bereits seit dem Jahr 2013 in Kooperation mit dem NABU Fellbach angestoßen hat. So konnte sie mehrere Landwirte dafür gewinnen, Rückzugsflächen bereitzustellen und Schutzmaßnahmen umzusetzen. Laut Gundis Steinmetz vom Stadtplanungsamt der Stadt Fellbach werden dadurch mittlerweile circa 5 Hektar Fläche rebhuhnfreundlich bewirtschaftet. Der Rückgang des Rebhuhns ist nur der sichtbare Teil des Artensterbens in der Landschaft. Mit ihm verschwinden aber auch viele andere Tier- und Pflanzenarten aus der Feldflur. Dass die Bemühungen im Grundsatz aber helfen, zeigen die Ergebnisse der Bestandskontrollen: Rebhühner halten sich bevorzugt auf oder in der Umgebung der aktuellen Schutzflächen auf. Da sich parallel zu den Maßnahmen der landwirtschaftliche Strukturwandel massiv fortsetzte, ging der Rebhuhnbestand weiterhin zurück. Deshalb kam die Stadt Fellbach auf das Landratsamt mit der Bitte um Unterstützung zu.

Das Projekt mit der Stiftung Naturschutzfonds soll nun dazu beitragen, den Trend umzukehren und die positiven Wirkungen der Fellbacher Schutzmaßnahmen zu verstärken. Mittlerweile hat sich dafür ein Lenkungskreis gebildet, dem neben Kommune und Naturschutzbehörde auch der Landschaftserhaltungsverband sowie der Landesjagdverband angehören. Fachlich beraten wird das Projekt durch das Planungsbüro Tier- und Landschaftsökologie aus Köngen. Sie alle luden am 21. Februar zu einem Arbeitstreffen im Fellbacher Rathaus ein, bei dem über das Projekt, seine Inhalte und Ziele informiert und diskutiert wurde. Gekommen sind neben vielen Landwirten auch Vertreter der örtlichen Jägerschaft und der Verwaltungen sowie Naturschützer.

"Unser Ziel ist es, ein umfangreiches Maßnahmenpaket zu schnüren, um so den Bestand des Rebhuhns im Schmidener Feld zu stabilisieren und seine ursprüngliche Verbreitung wiederherzustellen" erläutert Markus Wegst von der Unteren Naturschutzbehörde im Rems-Murr-Kreis. Dabei sollen auch neue Wege beschritten werden. Zum Beispiel leisten die meisten Landwirte im Rahmen des sogenannten "Greenings" bereits einen erheblichen Beitrag zur naturverträglichen Bewirtschaftung ihrer Flächen. Solche Greening-Maßnahmen besser an die Bedürfnisse des Rebhuhns auszurichten, ist ein Teilaspekt des Projekts ebenso wie die Suche nach rebhuhngeeigneten Anbaualternativen zum Silomais für Biogasanlagen.

Ist der Schutz des Rebhuhns in einer so dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaft überhaupt sinnvoll? Dies war eine der Fragen über die in der Runde mehrfach diskutiert wurde. Unabhängig von den rechtlichen Verpflichtungen zum Artenschutz wurde diese Frage klar bejaht. Im Schmidener Feld lebten im Jahr 2014 noch schätzungsweise zwischen 3 und 6 Prozent des landesweiten Rebhuhnbestandes, ein in der Region Stuttgart fast einzigartiges Vorkommen. Gerade hier sind Schutzmaßnahmen besonders erfolgversprechend, wie der Moderator der Veranstaltung, Dr. Stefan Rösler, betonte. Bis auf wenige Ausnahmen war man sich daher einig, dass das Projekt wichtig und dringend notwendig sei. Klar wurde in der Diskussion aber auch: Für den Erfolg braucht es mehr als nur Schutzflächen und die Beteiligung einiger Landwirte. Für natürliche Feinde wie Füchse sind Rebhühner in einer strukturarmen Landschaft leichte Beute, so dass auch die Jägerschaft gefordert ist – beispielsweise bei der Regulierung des Fuchsbestands.

Besonders gravierend ist es auch, wenn die wenigen Schutzflächen von Spaziergängern oder Joggern als Abkürzung genutzt werden oder wenn freilaufende Hunde die Rebhühner aufscheuchen und jagen. Beides Phänomene, von denen Landwirte, Naturschützer und Jäger beim Gespräch gleichermaßen zu berichten wussten. Auch diesen Themen soll im Rahmen des Projektes nachgegangen werden. Wieder einmal wird deutlich: Der Schutz des Rebhuhns und damit der Artenvielfalt in unserer Landschaft ist eine komplizierte Aufgabe, zu der alle in unserer Gesellschaft aufgefordert sind ihren Beitrag zu leisten.

(saw/10.3.17)

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