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Fit für die Zukunft: ILEK hilft regionalem Weinbau beim Strukturwandel
Bei der Abschlussveranstaltung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) mit der neuen Landwirtschaftsministerin Marion Gentges MdL wurden erste Ergebnisse vorgestellt.
Der Strukturwandel lässt sich nicht aufhalten und auch der Weinbau im Rems-Murr-Kreis ist davon betroffen. Durch den sinkenden Weinkonsum, wirtschaftliche Herausforderungen und klimatische Veränderungen ist es nötig, dass Besitzer von Rebflächen sich den neuen Bedingungen anpassen. Um sie dabei zu unterstützen, wurde im Mai 2025 vom Rems-Murr-Kreis gemeinsam mit zehn Weinbaukommunen des Landkreises das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) „Zukunft des Weinbaus im Rems-Murr-Kreis“ initiiert. Ziel war es, neue Wege und Möglichkeiten zur Stärkung des Weinbaus zu diskutieren und zu finden. Ergebnis ist eine Auflistung an Ideen, wie Weingärtner zukunftsorientiert wirtschaften können. Zudem ein Katalog, der konkrete und alternative Nutzungsmöglichkeiten für ehemalige Rebflächen aufzeigt. „Es gib kein Patentrezept, aber die Botschaft ist, wir unterstützen all diejenigen, die neue Wege gehen müssen oder wollen. In den kommenden sieben Jahren könnten gezielt Projekte unterstützt und gefördert werden“, so Landrat Dr. Richard Sigel.
„Ich freue mich sehr, dass aus der Weinbau-Praxis im Rems-Murr-Kreis ein wahres Feuerwerk an Ideen und Vorschlägen in das Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept eingeflossen ist. Das sind Anregungen, die sich lohnen, in einem Regionalmanagement weitergeführt zu werden, um daraus gute Projekte nicht nur für den Rems-Murr-Kreis, sondern für alle Weinbaugebiete in Baden-Württemberg abzuleiten.“, sagte Ministerin Marion Gentges MdL.
„Unsere Weinberge sind weit mehr als landwirtschaftliche Nutzflächen – sie sind die DNA des Landkreises, des Remstals“, so der Landrat Dr. Richard Sigel. „Wir haben das Projekt als Landkreis initiiert, weil es mir ein persönliches Anliegen ist, die Weingärtnerinnen und Weingärtner bei diesem Strukturwandel zu unterstützen. Wir sind offen für neue Wege und ich freue mich auch über weitere Initiativen aus der Mitte der Gesellschaft, wie beispielsweise die Zukunftsstiftung Remstal oder das seit Jahrzehnten unermüdliche ehrenamtliche Engagement unserer Obst- und Gartenbauvereine. Nur gemeinsam kann man diesen Wandel, diesen nicht mehr zu übersenden Umbruch bei der Bewirtschaftung unserer Weinberge meistern.“
Mit der Erstellung des Konzepts und des Katalogs sowie der Abschlusspräsentation ist diese Projektphase abgeschlossen. Der Landkreis präsentierte bei der Abschlussveranstaltung am 7. Juli 2026 in der Jahnhalle in Weinstadt-Endersbach die Ergebnisse und erläuterte den Katalog mit Handlungsoptionen. Hier kamen verschiedenste Vertreter aus Politik und Praxis zusammen. Neben Oberbürgermeister Michael Scharmann, Landrat Dr. Richard Sigel, Dr. Christine Baumgärtner vom Verband Region Stuttgart und Weinbaupräsident Dietrich Rembold sprachen Vertreter des Landratsamtes sowie die Projektbegleitung. Dass die neue Landwirtschaftsministerin Marion Gentges MdL teilgenommen hat, zeigt, wie wichtig das Projekt und die aktuellen Veränderungen beim Weinbau sind - nicht nur im Remstal, sondern im gesamten Land. Landrat Sigel bedankte sich bei der Ministerin für die Unterstützung, die nicht mit der ersten Projektphase endet, sondern in den kommenden Jahren durch eine Umsetzung von geförderten Maßnahmen mit Leben gefüllt werden soll.
Positionspapier weist auf bürokratische Hürden hin
Landrat Dr. Sigel dankte der anwesenden Ministerin Gentes und dem Land für die Förderung des ILEK mit dem ein Regionalbudget auf 7 Jahre verbunden ist. Gleichzeitig wies er aber auch auf bürokratische Hürden bei der Umsetzung hin. „Der Koalitionsvertrag zielt auf weniger Bürokratie, das muss jetzt von Beginn an bei der Umsetzung neuer Projekte spürbar werden. Wir brauchen Vertrauen in diejenigen, die sich für den Erhalt unserer Kulturlandschaft einsetzen. Vertrauen motiviert, übermäßige Kontrollen und Bürokratie hemmen die Bereitschaft, die mit konkreten Projekten einzubringen.“
Der Landrat überreichte im Namen aller ILE-Regionen des Landes Baden-Württemberg ein gemeinsames Positionspapier (Anlage), in dem sich die Regionen gemeinsam für mehr Flexibilität einsetzen, um den Strukturwandel im Weinbau zu meistern.
Der Oberbürgermeister der Stadt Weinstadt Michael Scharmann hob bei seiner Rede besonders die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure hervor: „Ich freue mich sehr über das breite politische Interesse auf Landes- und Regionsebene am ILEK. Die in mehreren teilnehmenden Kommunen bereits gefassten Gemeinderatsbeschlüsse zeigen deutlich, dass wir die Herausforderungen erkannt haben und sie gemeinsam angehen wollen. Diese Geschlossenheit ist für mich ein entscheidender Faktor, um den Strukturwandel im Weinbau aktiv zu gestalten und unsere Kulturlandschaft langfristig zu erhalten.“ Weinstadt hat von den beteiligten Kommunen die meiste Rebfläche und ist daher ein wichtiger Partner bei der Umsetzung des ILEK (siehe Tabelle)
Konkrete Projekte zur Umsetzung des ILEK
Für das ILEK erarbeiteten der Landkreis, die Winzerinnen und Winzer und die zehn beteiligten Kommunen zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern einen Katalog mit konkreten Handlungsoptionen, der sich an drei zentralen Zielen orientiert.
Die drei Leitziele sind:
- die Weinkulturlandschaft zu stärken
- eine zukunftsfähige Nachnutzung für brachliegende Flächen zu finden
- den Strukturwandel aktiv zu steuern
Mögliche Startprojekte, bei denen das ILEK unterstützen könnte, wären beispielsweise die Beweidung von ehemaligen Weinanbauflächen oder der Aufbau einer „Weinbau-Tourismus-Musterregion Rems-Murr-Kreis“, durch die das Remstal als Wein- und Erlebnisregion gefördert wird.
Als zentrale Steuerungs- und Koordinierungsstelle für das ILEK und die konkrete Umsetzung von Maßnahmen in einzelnen Projekten wird weiterhin der Rems-Murr-Kreis und sein Landwirtschaftsamt auftreten. Dieser wird durch ein Regionalmanagement unterstützt, das im Herbst ausgeschrieben wird und die Kommunen bei der Umsetzung von Maßnahmen unterstützen soll.
Für Umsetzungsmaßnahmen steht ein jährliches Regionalbudget mit 150.000 Euro zur Verfügung. In der gesamten Laufzeit damit über eine Million Euro. Finanzielle Unterstützung können Antragsteller durch das Land und die Kommune erhalten. So werden bis zu 80 % der Projektkosten gefördert, wobei hiervon 90 % durch das Land Baden-Württemberg und 10 % von der betreffenden Kommune bezuschusst werden. „Ein Ansatz, über den wir in Zeiten knapper Kassen diskutieren müssen, der sich nach meiner Überzeugung aber lohnt. Wenn wir nicht jetzt in die Zukunft und Erhalt unserer Kulturlandschaft investieren, können wir den Wandel nicht gestalten“, so der Landrat.
Auch der Landschaftserhaltungsverband Rems-Murr-Kreis e.V. (LEV) bringt sich in das Weinbauthema ein. Er hat sich erfolgreich um das vom Bundesverband der LEV ausgelobte Projekt „Nutzung von Weinbergsbrachen zur Förderung der Biodiversität“ beworben. „Jetzt können wir mit unserem LEV das Regionalmanagement flankieren und mit geballtem Wissen gute Lösungen finden“ freut sich Landrat Dr. Sigel als Vorsitzender des LEV.
Mit dem ILEK wurde nun der Grundstein für einen zukunftsfähigen Weinbau in der Region gelegt und gemeinsam setzen der Rems-Murr-Kreis, das Land Baden-Württemberg, der Remstaltourismus und die beteiligten Kommunen ein starkes Zeichen, dass sie die Winzerinnen und Winzer unterstützen, um diese traditionelle Kulturlandschaft zu erhalten.
Hintergrund: Diese Kommunen sind am ILEK beteiligt
| Rebfläche 2025 | |
(ha) | (%) | |
Gesamt | 1.159,2 | 100,0 |
Fellbach | 181,8 | 15,7 |
Kernen i.R. | 142,6 | 12,3 |
Kirchberg/Murr | 3,9 | 0,3 |
Korb | 116,6 | 10,1 |
Remshalden | 120,6 | 10,4 |
Schorndorf | 12,9 | 1,1 |
Waiblingen | 39,6 | 3,4 |
Weinstadt | 466,6 | 40,3 |
Winnenden | 69,3 | 6,0 |
Winterbach | 5,3 | 0,5 |
(sb/10.07.2026)

