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Weitere Hiobsbotschaft für die Fahrgäste auf der Murrbahn: Landkreis protestiert und unterzeichnet Positionspapier
Es drohen Ausfälle, weniger Sitzplätze und Haltausfälle der Regionalbahn in Waiblingen und Winnenden
2027 wird es massive Einschränkungen im Murrtal auf der Straße und der Schiene geben. Das ist bereits bekannt und wurde vom Rems-Murr-Kreis bereits deutlich kritisiert. Nun wurde der Landkreis vom Land und von der Deutschen Bahn darüber informiert, dass es zu weiteren massiven Einschränkungen bei der Regionalbahn im Murrtal (MEX 19 und 90, RE 90) kommen wird. Angesichts der bereits erheblichen Belastungen der Fahrgäste durch Baustellen, marode Infrastruktur sowie Kapazitätsengpässe bei den eingesetzten Fahrzeugen, sieht der Landkreis die neuen absehbaren Einschränkungen auf der Murrbahn mit großer Sorge.
Wechsel der Fahrzeugflotte sorgt für Haltausfälle in Waiblingen und Winnenden
Hintergrund ist ein Wechsel der Fahrzeugflotte, der voraussichtlich zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember eintritt. Eigentlich sollen auf der Murrbahn, vor allem beim MEX 19 ab Mitte Dezember neue Fahrzeuge des Landes vom Typ Alstom Coradia Max eingesetzt werden.
Es ist aber bekannt, dass diese Frist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht eingehalten werden kann. Stehen die neuen Fahrzeuge zum Fahrplanwechsel nicht zur Verfügung, sollen bis zum Eintreffen der Neufahrzeuge die Regionalverkehrshalte in Waiblingen und Winnenden erheblich eingeschränkt werden. Hintergrund ist, dass dann Fahrzeuge zum Einsatz kommen sollen, die über eine zu geringe Einstiegshöhe für die Bahnsteige an beiden Bahnhöfen verfügen. Deshalb soll nur noch maximal stündlich eine Regionalbahn in Waiblingen oder Winnenden halten, nicht mehr halbstündlich: Nur der MEX90 bis Schwäbisch-Hall und der RE 90 würde dann halten, nicht der MEX19 bis Gaildorf. Dabei weisen beide Bahnhöfe hohe Fahrgastzahlen auf. Gerade auf einer Strecke mit hoher Nachfrage und bereits heute stark ausgelasteten Zügen würde dies zu einer weiteren Verknappung der Sitzplatzkapazitäten und damit einer Beeinträchtigung der Attraktivität des Regionalverkehrs im Rems-Murr-Kreis führen.
Im Übrigen führen die eigentlich eingeplanten Fahrzeuge vom Typ Alstom Coradia Max zu einer Verknappung der Sitzplätze (40 Plätze weniger je Fahrt). Auch für die Zukunft droht hier also eine Verschlechterung.
ICE-Sprinter auf der Murrbahn sorgt für weitere Einschränkungen
Ebenso kritisch sieht der Rems-Murr-Kreis, dass der ICE-Sprinter zwischen Stuttgart und Berlin ausgeweitet werden soll, ohne die Auswirkungen auf den Regionalverkehr ausreichend zu berücksichtigen. Die Murrbahn ist bereits heute durch S-Bahn, Regional- und Güterverkehr hoch belastet. Zusätzlicher Fernverkehr dürfen deshalb nicht zulasten der Fahrgäste im Regionalverkehr gehen. Durch eine Ausweitung des ICE-Sprinters auf der Murrbahn drohen beispielsweise weitere Standzeiten für die Fahrgäste oder Kürzungen von Linien.
„Das ist eine Hiobsbotschaft für alle Pendlerinnen und Pendler – und mit Blick auf die Verkehrsbelastung sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene eine Zumutung für alle, die im Murrtal unterwegs sind“, betont Landrat Dr. Richard Sigel. Zumal im Sommer 2027 eine Vollsperrung der Strecke in Backnang bevorsteht – bei gleichzeitiger Sperrung der B14. „Gerade deshalb braucht es aus Sicht des Kreises mehr Verlässlichkeit, mehr Kapazität und einen konsequenten Ausbau der Infrastruktur – aber keine weiteren Hiobsbotschaften für die ohnehin gebeutelte Murrbahn“, so der Landrat.
Der Rems-Murr-Kreis erinnert dabei an die Ziele des Landes für eine attraktivere Schiene sowie eine Verdopplung der Fahrgastzahlen. Zudem hat die zukünftige Landesregierung angekündigt, den ÖPNV weiter auszubauen. „Davon spüren die Menschen, die im Murrtal unterwegs sind, nichts. Wir brauchen hier dringend einen Lichtstreifen am Horizont.“ Deshalb werde man diese Sorgen auch an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten adressieren.
Gemeinsames Positionspapier mit den Nachbarlandkreisen unterzeichnet
„Der Rems-Murr-Kreis fordert daher das Land Baden-Württemberg und die Deutsche Bahn auf, die Planungen im Sinne der Fahrgäste zu überarbeiten und die Schienenachsen im Kreis nicht weiter zu schwächen, sondern gezielt zu stärken“, so der Landrat weiter.
Daher hat der Landkreis ein gemeinsames Positionspapier mit dem Ostalbkreis und dem Landkreis Schwäbisch Hall entworfen, das die wesentlichen Forderungen zu einem attraktiven Regionalverkehr auf der Rems- und Murrbahn enthält. Dieses wird am 4. Mai auf einer Sitzung der Interessengemeinschaft Schienenkorridor Stuttgart-Nürnberg an Dr. Clarissa Freundorfer, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn in Baden-Württemberg, überreicht. Im Anschluss soll es dem Land sowie den Landtags- und Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises überreicht werden. Eine gemeinsame Pressemitteilung der Landkreise dazu folgt.
Hintergrund: Vollsperrungen im Raum Backnang 2027
- Die Murrbahnstrecke bei Backnang ist von Mitte Mai bis Mitte August 2027 drei Monate lang unterbrochen. Aus Waiblinger und Winnender Sicht heißt das: Wer nach Backnang oder weiter fahren will, muss auf einen Ersatzbus umsteigen.
- Die Brückenerneuerung lässt sich nur realisieren, wenn man in dieser Zeit auch die B14 bei Backnang wenige Wochen lang sperrt. Autofahrer, die sonst auf der Bundesstraße an der Stadt vorbei rauschen, müssen sich dann entweder mitten durch Backnang drängeln; oder großräumige Umleitungen nutzen; oder auf den Zug bzw. Ersatzbus umsteigen - der an dieser Stelle aber natürlich auch nicht die B14 nutzen kann.
(keck/05.05.26)
